Geschichte

Warum sind die hungry Chicks so hungrig? Hier erfahrt ihr die gesamte Geschichte.

Wie alles begann...

Wir schreiben das Jahr 3010. Die Erde hat sich massiv verändert. Nachdem die Menschen für über 800 Jahre die Erde verlassen haben, kehren sie nun in ihre vergessene Heimat zurück. Die Natur hat sich die Erde zurückerobert. Vereinzelt ragen die letzten Überbleibsel der menschlichen Zivilisation aus den Wäldern und Seen hervor. Vögel nisten in überwucherten und nutzlosen Wettertürmen. Bären haben alte Bunker als ihren Zufluchtsort gewählt. Biber nutzen stillgelegte Rohre als Unterschlupf und die Meere haben sich gefüllt mit einer Vielzahl an neuen und gewaltigen Lebewesen. Die Vielfalt der Bäume ist um das 5-fache gewachsen und neuartige Blumen leuchten in strahlenden Neonfarben. Die Welt riecht anders. Der Geruch von Abgasen, Öfen, Abwasser, Fabriken, Silos und Pestizide hat sich gänzlich verflüchtigt. Es riecht nach Moos, Blumen, Wald und dem salzigen Meer. Die zurückgekehrten Menschen sind verzaubert von dieser atemberaubenden Erde. Sie beginnen sie neu zu erkunden und machen die interessantesten Entdeckungen.

Zu dieser Zeit lebt ein kleiner,  12-jähriger, äußerst abenteuerlustiger Junge. Karl streift gerne alleine durch die Gegend und erkundet die Reste der letzten Zivilisation. Eines Tages entdeckte er mehrere Ruinen. Die Überbleibsel eines Bauernhofs. Karl ließ seinen Blick über den verlassenen Ort schweifen. Sein Blick blieb scheinbar grundlos an der Ruine eines alten Hühnerstalls hängen. Wie mochten diese kleinen Wesen wohl ausgesehen haben. Ob noch etwas von ihnen zu finden war an diesem Ort. Ein Windstoß fegte über den Ruinen hinweg und Karl sah, wie etwas Weißes in der Nähe des Stalls aufgewirbelt wurde und ganz sanft wieder zu Boden segelte. Dabei wippte es langsam vor und zurück. Fasziniert ging er auf die Stelle zu, an der das weiße Etwas gelandet war. Er fand es, nahm es in die Hand und begutachtete es. Es war weich und leicht. Von dem Hühnerstall stand nur noch eine Wand und eine Hälfte der Doppeltür hing schief in den Angeln. Neugierig ging er näher und betrat die Ruine. Nichts rührte sich darin. Er ging weiter hinein und stolperte unvermittelt über etwas auf dem Boden. Gerade rechtzeitig fing er sich noch, bevor er der Nase lang auf dem Boden gelandet wäre. Mit klopfenden Herzen drehte er sich um und suchte mit neugierigen Augen den Boden ab. Da lag etwas, halb versteckt unter dem Stroh. Vorsichtig hob er es auf. Es war ein altes, vergilbtes Buch. Er befreite es von dem restlichen Stroh und las die Zeilen auf dem Einband: „Was war zuerst, das Ei oder das Huhn?“ Etwas irritiert von diesem Titel schlug er es auf. Die erste Seite war mit großen deutlichen Buchstaben beschrieben. Der Rest des dicken Buches bestand jedoch aus hunderten leerer Seiten. Karl war verwundert, warum nicht mehr darin stand. Im Schneidersitz setzte er sich auf dem Boden und begann die wenigen Zeilen zu lesen.

„Es war einmal, vor langer langer Zeit, da lebten die Menschen auf dieser Erde friedlich und in stiller Eintracht mit ihren Tieren zusammen. Die Kühe, Pferde, Ziegen, Schafe und Hühner bekamen Futter und einen Stall von ihren Menschen und beschenkten sie dafür mit Milch, warmer Wolle oder Eiern. Doch eines Tages verließen die Menschen ihre Heimat und kehrten nie wieder zurück. Sie nahmen alles mit. Kleidung, Nahrung, Spielzeug und vieles mehr verstauten sie in ihren Taschen. Natürlich vergaßen sie auch ihre geliebten Tiere nicht. Kühe, Pferde, Schweine, Hunde, Katzen und Co. wurden mit auf die Reise genommen. Aber hatten sie da nicht etwas vergessen? Tatsächlich fiel ihnen zu spät auf (erst Jahrzehnte später), dass sie ihre gefiederten Freunde auf der Erde zurückgelassen hatten.

Diese störten sich lange nicht an der Abwesenheit ihrer Menschen. Vergnügt genossen sie weiterhin ihren stabilen Stall und das reichliche Futter. Doch je länger die Abwesenheit der Menschen dauerte, desto geringer wurde der Futtervorrat. Als jedes Korn aufgepickt war, gab es für die Hühnchen nichts mehr zu essen und …“

Mehr gab es nicht zu lesen. Karl wollte doch unbedingt wissen, wie es mit den Hühnchen weiterging. Konnten sie überhaupt ohne ihre Menschen leben. Nachdenklich sah er sich um. Kein Korn lag mehr auf dem Boden und vom Stall war nicht mehr viel übrig. Traurig von diesem Anblick fasste Karl einen Entschluss und holte einen Stift aus seinem Rucksack. Wenigstens in diesem Buch sollte die Geschichte gut ausgehen. Entschlossen fing er auf der nächsten Seite an zu schreiben. Er schrieb, dass die Hühnchen auf die Reise gingen, um sich neues Futter zu suchen und dass sie auf anderen Bauernhöfen genug Futter fanden, um glücklich weiterzuleben. Beim Umblättern passierte jedoch etwas Erstaunliches. Gerade als er den Stift erneut ansetzen wollte, entstand auf der leeren Seite ein Bild. Da waren Hühnchen, die auf einen Stall zugingen. Jedoch standen im Stall andere Hühnchen, die grimmig die Neuankömmlinge anstarrte. Dazu erschien ein Text.

„Weniger friedliche Hühnchen wollten ihr Futter nicht teilen und blockierten den Weg zu ihrem Stall. Mit Waffen fingen sie an auf die Neuankömmlinge loszugehen und …“

Nein, das durfte nicht passieren. Karl würde seine Hühnchen retten. Schnell schrieb er, wie seine Hühnchen ebenfalls an Schwerter und Bazookas kamen, wie sie Schilde herstellten und heilende Eier vom Himmel fallen ließen.

So ging das mehrere Stunden. Den ganzen Tag und die ganze Nacht verbrachte Karl damit, seine Hühnchen vor dem streitlustigen Buch zu beschützen. Er brachte sie über Hindernisse, verbesserte sie und sorgte dafür, dass sie immer genug zu futtern hatten. Bei Sonnenaufgang kitzelte ihn der erste Sonnenstrahl an der Nase. Er war erschöpft auf dem Stallboden eingeschlafen. Die Augen reibend richtete Karl sich auf und blickte auf die letzte Seite des Buchs. Dort stand geschrieben:

„Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute.“

Das konnte nur bedeuten, dass er gewonnen hatte. Karl sprang freudig auf und stieß sich prompt den Kopf an einem Holzbalken. Etwas benommen sah er sich um. Wo kam denn dieser Balken her? Ungläubig stellte Karl fest, dass aus der Ruine über Nacht ein stabiler, großer Hühnerstall geworden war. Die Futtertröge waren randvoll gefüllt mit Körnern und die Türen hingen wieder fest in den Angeln. Und lag da nicht, verdeckt unter dem Stroh, ein kleines weißes Ei? Bevor Karl begreifen konnte, was hier passiert war, hörte er ein lautes und glückliches „Gaackk“.

Ende des 1. Kapitels